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Mehr Strassen, mehr Stau!?

Die Milchkuhinitative verlangt, dass mehr Geld für die Strassen aufgewendet werden soll. Damit wollen die Initanten erreichen, dass es auf schweizer Strassen zu weniger Staus kommt. Dass mehr Strassen zu weniger Stau führen, ist jedoch ein Irrglaube.

Eigentlich erscheint es logisch, mehr Strassen heisst mehr Platz für Autos und damit weniger Stau. So zumindest die offensichtliche Annahme, die auch die Unterstützer der Milchkuhinitative ins Feld ziehen. Das Gegenteil erschiene ja komplett irrsinnig, wie soll eine besser ausgebaute Verkehrsinfrastruktur bitteschön zu mehr Staus führen?

Zur Beantwortung dieser Frage müssen mehrere Faktoren betrachtet werden. Die Verkehrsanalyse ist ein kompliziertes Gebiet und es reicht nicht aus, mit der erstbesten Schlussfolgerung aufzuhören. Es gilt vorallem zwei Aspekte zu betrachten, zum einen den rein mathematischen, zum anderen die sozialen Auswirkungen.

Beginnen wir mit dem rein mathematischen Aspekt. Die Gleichung scheint einfach, pro x Meter Strasse können y Autos fahren. Wir nun mehr Strasse gebaut, können auch mehr Autos fahren, ohne dass es Stau gibt. So die althergebrachte Meinung. Doch Strassennetze sind komplexe Systeme, die überraschende Effekte mit sich bringen. So zum Beispiel das Braess-Paradoxon. Dieses besagt, dass unter gewissen Umständen, der Bau einer zusätzlichen Verbindung, sei es ein Tunnel oder eine Umfahrung, dazu führt, dass sich die Reisezeit für alle Beteiligten verlängert. Im Artikel verlängert sich beispielsweise die Reisezeit um 9 Minuten, nachdem ein Tunnel gebaut wird.
Dieses Paradoxon klingt extrem theoretisch, es gibt aber zahlreiche Beispiele, wo es in der realen Welt auftritt.

Ein anderes Paradoxon im Strassenverkehr ist das Downs-Thomson Paradoxon. Dieses besagt schlicht und einfach, dass Verbesserungen der Strasseninfrastruktur nicht zu weniger Staus führen. Wenn wegen der Investitionen in die Strasse weniger Geld für den Öffentlichen Verkehr zur Verfügung steht, führen sie sogar zu mehr Stau. Wenn man sich das genauer überlegt, ist es eigentlich logisch. Wenn der Zug teurer wird, lohnt sich das Auto für mehr Leute, also sind auch mehr Autos auf der Strasse. Das führt dann logischerweise zu mehr Stau. Das Downs-Thomson Paradoxon ist durch zahlreiche Studien belegt und gilt sowohl für Städte als auch auf dem Land.

Eine interessante Studie dazu findet sich hier. Die wichtigsten Punkte sind:

  • Die Anzahl von zurückgelegten Kilometern ist direkt proportional zur Anzahl verfügbarer „Spuren-Kilometern“ auf Landstrassen.
  • Der Bau von neuen und die Verbreiterung von bereits bestehenden Strassen resultiert in immer mehr Verkehr, bis die Verstopfung wieder auf dem selben Level ist wie zuvor. Diese Art der Staubekämpfung ist also sowohl teuer als auch innefektiv.
  • Strassen haben immer ein „natürliches“ Level an Staus, das immer wieder erreicht wird. Gross angelegte Strassenbauprojekte sind also keine Möglichkeit zur Staubekämpfung.

Also, durch neue Strassen lassen sich Staus nicht beseitigen. Doch es gibt viele andere Lösungen, die sowohl funktioinieren als auch viel günstiger sind. Die Verlagerung der Warentransporte auf die Schiene muss weiter vorangetrieben werden

  • Die Verlagerung der Warentransporte auf die Schiene muss weiter vorangetrieben werden.
  • Carpooling muss gefördert werden. Im Schnitt befinden sich heute gerade mal 1.6 Personen in einem Auto.
  • Ein Mobility Pricing wird in Zukunft unumgänglich sein. Gerade grosse Transportunternehmen profitieren deutlich mehr von den Strassen als sie im Moment bezahlen.

Die Milchkuhinitative ist also ein kompletter Schwachsinn und wird zu noch mehr Staus führen. Die einzigen die davon profitieren würden, sind Autoimporteure, grosse Transportunternehmen und Strassenbaufirmen. Es ist also auch nicht verwunderlich, dass gerade diese sehr prominent im Pro-Komitee vertreten sind.

Ursprünglich verfasst hier.

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