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Feminismus 2016

„Wenn mich jemand fragt, ob ich mich heutzutage als Frau im Westen gleichberechtigt fühle, dann muss ich ganz klar sagen: Ja.“, dieses Zitat stammt aus einem Blogbeitrag des NZZ Campus, der im Mai dieses Jahres veröffentlicht wurde.

Es ist erschreckend, dass es immer noch Frauen* gibt, die, obwohl sie offensichtlich über feministische Themen nachdenken, nicht realisieren, wie aktuell die Ungleichheitsdebatte immer noch ist. Die Autorin erklärt den feministischen Kampf in der westlichen Kultur für beendet und schliesst dabei vom eigenen Empfinden aufs Ganze. Dabei sieht die Schweizer Realität folgendermassen aus:

  • Der Lohnunterschied besteht nach wie vor.
  • Frauen* erhalten öfter Tiefstlöhne als Männer*
  • Frauen* haben immer noch mehrheitlich die Hauptverantwortung bei der Hausarbeit und die Männer* finanzieren hauptsächlich den Haushalt.
  • Die Landespolitik wird von Männern* dominiert. Gerade mal 15.2% der Ständerät_innen sind weiblich. Im Nationalrat liegt der Anteil bei mageren 32%.

Diese Liste könnte noch lange weiter geführt werden.

 

Besonders im Berufsleben sind wir von einer Gleichberechtigung weit entfernt. Deshalb muss weiterhin eine Frauen*quote gefordert werden. Uns mangelt es ja nicht an gebildeten weiblichen Fachkräften, doch wird der berufliche Weg zum Erfolg für Frauen* weiterhin durch verschiedene Faktoren erschwert.

Die Abwehr des Gleichstellungsanspruches in Form der Frauen*quote sieht oft so aus, dass sich Männer* in die Opferrolle stellen und behaupten Frauen* würden so bevorzugt. Die Weltwoche setzt gar auf absurdeste Weise zur Gegenwehr an, indem sie Frauen* als „rabiater“ bezeichnet, „weil sie wegen ihrer körperlichen Schwäche die physische Gewalt nicht ausleben können“. Es wäre also laut Weltwoche noch prekärer, Frauen* in Führungspositionen zu stellen, als wenn Männer diesen Job weiterführen würden.

Solange solch hanebüchenen Psychoanalysen Gehör geschenkt wird und Frauen* in mittelalterlichen Machtstrukturen festsitzen, solange ist der feministische Kampf auch im Westen nicht beendet. Solange muss auf einer Frauen*quote bestanden werden.

 

Ein weiterer Aspekt, wo der NZZ Campus Autorin widersprochen werden muss, ist das Thema Sexismus im Alltag. Sie beklagt sich darüber, dass mensch von einer „Vergewaltigungskultur“ spricht und versteht nicht, weshalb objektivierende Darstellung weiblicher Körper zu kritisieren ist. Konkret spricht sie da den #shirtgate des ESA Projektleiters Matt Taylor an.

Es gibt sehr wohl eine „Vergewaltigungskultur“. Sie existiert wenn wir Frauen* vor K.O. Tropfen gewarnt werden müssen und wenn wir uns nicht trauen alleine nach Hause zu gehen. Sie existiert wenn mir ein Bekannter sagt, dass ein ‚bisschen grapschen am Füdli’ doch schon noch witzig sei. Das Ganze geht noch tiefer; viele Frauen* machen nach wie vor sexuelle Handlungen mit, die sie im Nachhinein bereuen. Es ist schwierig sich bei bereits laufender Handlung mit einem begehrten Partner zu wehren und ‚Stopp’ zu sagen. Der Sex war ja zu Beginn einvernehmlich und der Partner auch kein böser Unbekannter. Wir Frauen* müssen da genauso weiter sensibilisiert werden wie die Männer*, denn Grauzonen gibt es nicht, aber immer noch sehr viele tabuisierte Situationen. Das Magazin veröffentlichte dazu in der 36. Ausgabe 2016 einen äusserst treffenden Artikel. Es ist wichtig, dass mensch sich bewusst wird das jede sexuelle Handlung unter Konsens stattfinden muss. Es ist wichtig, dass mensch im Vorhinein fragt, ob es in Ordnung ist, irgendeine sexuelle Handlung zu vollziehen. Viele Männer* probieren weiterhin erst mal und warten darauf, dass Frauen* es entweder zulassen oder ‚Nein’ sagen. Konsens muss aber vorher passieren!

 

Zur Kritik #shirtgate lässt sich nur sagen, dass das Hemdmuster des ESA Leiters Matt Taylor Frauen* in despektierlicher Weise darstellte wie es täglich in Werbungen, Filmen, Büchern, Zeitschriften und auf Kleidung passiert. Wenn eine junge Frau wie die Autorin des NZZ Campus Artikels nicht versteht, dass jede Art von Sexismus rot angestrichen und bekämpft werden muss, so ist das ein Zeichen dafür wie alltäglich diese Darstellungsweisen sind. Das stumpft ab. Es ist wichtig, dass wir weiter und mehr, alles, jeden Werbespruch, kritisch hinterfragen. Es muss eine Nulltoleranz entwickelt werden! Dafür müssen wir Feminist_innen kämpfen.

 

Zu guter Letzt will ich auf den Hauptkritikpunkt der NZZ Campus Autorin eingehen. Für sie ist es wichtiger, dass mensch sich mit Frauen* international solidarisiert, die offensichtlich und sehr harsch unterdrückt werden. Da sollte Energie reingesteckt werden, denn ihre Lage ist miserabel.

Ja! Solidarisieren! Kämpfen! Aber wieso denn nicht an allen Fronten? Das Eine schliesst das Andere nicht aus.

 

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